Je teurer desto besser?

Internate


Berichte in Internet-Foren:
Nicht repräsentativ, selten objektiv, aber trotzdem zuweilen recht aufschlussreich!
 
Bestimmte Internet-Portale bieten Foren an, in denen neben allen möglichen Produkten auch Internate bewertet werden können. Leider liegen solche Bewertungen nur für einen kleinen Teil der Internate vor und hier immer auch nur einzelne Berichte. Von Repräsentativität im statistischen Sinne kann daher keine Rede sein. Trotzdem sind solche eher subjektiven Einschätzungen, die zumeist von ehemaligen SchülerInnen stammen,  bisweilen recht aufschlussreich.
 
Man muss allerdings wissen, dass auch solche Foren der gezielten Manipulation unterliegen. Insbesondere wenn sich kritische Aussagen zu einem bestimmten Institut häufen und sich dadurch bestätigen, wird seitens der betroffenen Internate nicht selten mit juristischen Mitteln die Löschung betrieben. Anstelle der gelöschten Kritik erscheinen dann oft peinliche Jubel-Beiträge in der Art "Internat X, mein zweites Zuhause". Ein typischer Beleg hierfür findet sich auf der Seite des Verbraucherforums "Ciao".
 
Auch die weiteren Beispiele machen deutlich, dass es offen-sichtlich eine große Diskrepanz gibt zwischen dem geschönten "Idealbild" des Internats und der nüchternen Realität. Zudem scheint es um  Beobachtungsgabe und sprachliche Kompetenz so mancher Berichterstatter nicht gerade gut bestellt zu sein.
 
Beispiel 1: Peinlich
 
Ein Internat in der Idylischen Eifel
Erfahrungsbericht von
über Ahrweiler - Internat Calvarienberg
14. November 2002

Produktbewertung des Autors:
  
Pro:
 Hilfe rund um die Uhr
Kontra:
Strenge Methoden
 
  Empfehlenswert?
 ja 
 
Kompletter Erfahrungsbericht
 
Den Meisten ist die Eifel nur als früheres Vulkangebiet bekannt. Das in dem schönen Städtchen Ahrweiler das Internat mit dem niveuvollen Namen "Calvarienberg" seinen Sitz hat, hätten die wenigsten vermutet.
Die stielvolle Burg gebaut 349. nach Chr. steht auf dem Calvarierberg in Ahrweiler, dem kleinen aber schmucken Städtchen in der Eifel, nahe Adenau.
Das Internat vor 23 Jahren vom damaligen Gründer, Siefgried Melzbach einem angehenden Arzt beim roten Kreuz gegründet, zählt zu eines der bedeutesten und kulturellsten Internate in der Bundes Republik Deutschland.

Das Internat befindet sich in Mitten der Burg, und befasst zwischen zwanzig und vierzig Schüler- und Schülerinnen, die die Schulische Ausbildung dort absolvieren und vorwiegend in Fremdsprachen wie Englisch, Französisch, Grieschich, und Latain gefördert werden. Für all diese Schüler ist rund um die Uhr ein geschultes Kompetentes Lehrpersonal da, das sich vorwiegend um die Probleme ihrer Schützlinge kümmert.

Aufstehen ist Morgens um 6.30 Uhr, Frühstück um 7.00 im grossen Rittersaal in Mitten der Burg. Unterrichtsbeginn um 7.30 und das Ende um 13.00 Uhr. Danach sind zwischen 13.15 und 14.00 das Mittagsessen angesagt, das auch wieder im Rittersaal stattfindet.
Von 14 bis 16 Uhr ist Mittagspause angesagt und man hat sich auf seinen Zimmern zu befinden. Um 16 - 18 Uhr werden die Hausaufgaben gemacht bevor es um 18.30 Abendessen gibt. Zwischen 19 und 21.30 darf man Sportaktivitäten wie Tennis oder Yolleyball nachgehen, ab 22 Uhr ist Bettruhe.
Dies alles wird streng eingehalten. Man darf jedes zweite Wochenende nach hause, und einmal im Momat Ausgang an einem Abend in die Stadt, in diesem Falle Adenau.

Der Kostenbeitrag im Monat beläuft sich auf 600 Euro. Ein nobles Internat. 
 
Beispiel 2: Fundamentalkritik
 
17.08.2002
Vorteile: Guter Unterricht
Nachteile: Unendlich viele...
Produktbewertung:  
 
 
Hessens Junkie-Schmiede
 
Zugegeben, es ist schon ein Weilchen her, dass ich morgens im Landschulheim Steinmühle aufwachte - 4 Jahre, um genau zu sein. Von daher kann sich vieles verändert haben. Kann...
 
Die Wahrscheinlichkeit ist aber relativ gering! Auf den ersten Blick mag dieses Internat ansprechen: Nette Fachwerkhäuser, nette Erzieher, Pferdestall und Basketballplatz gleich vor der Tür, idyllisch gelegen zwischen Industriegebiet, Autobahn und Wald.
Leider kann ich allen nur davon abraten, auf die Steinmühle zu gehen. Die "sinnvolle Freizeitgestaltung", wie man sie von teuren Internaten wie der Steinmühle erwartet, besteht aus Sauforgien unter einer Autobahnbrücke und gemeinsamen Ausflügen in die Dorfdisco "Kult" (voll auf "E" in Begleitung eines Erziehers).
 
Das Drogenproblem mag auf jedem Internat existieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man dieses Internat als Kiffer, Säufer oder "Schmeißer" (Ecstasy, Trips) verlässt, liegt jedoch bei ca. bei 75%. Es bedarf schon einem sehr hohen Selbstbe-wusstsein, sich dagegen zu wehren. Die Internatsleitung versteht es, dieses Problem zu vertuschen und führt gelegentlich ein paar Urinproben durch, um den guten Willen zu beweisen. Wer weder eine perfekte Figur noch einige Klamotten namhafter Designer im Schrank hat, sollte sich auf der Steinmühle nicht blicken lassen. Sprüche wie: "Die hat bestimmt Brustkrebs" oder "Mit dem A. passt die nicht durch die Tür" sind an der Tagesordnung. 95% der Mädchen aus "meinem" Haus litten an Bulimie, die Erzieher wußten davon ("da kann man halt nichts machen!"). Für die ca. 150 Schüler gibt es ganze vier Waschmaschinen, die man gegen einen kleinen Aufpreis sogar benutzen darf!!! Obendrein stehen den "Stonies" ganze zwei (!!!) VW-Busse für eventuelle Ausflüge nach Frankfurt oder Kassel zur Verfügung. Da Winterreifen die finanziellen Möglichkeiten des Internatsleiters übersteigen, wird der Winterausflug oft zur heiklen Rutschpartie.
 
Auch für anständiges Essen fehlt den Herren scheinbar das Geld: Zwar gibt es Pommes, bis sie einem zu den Ohren raushängen, das Wort "Saft" ist der Steinmühle aber gänzlich unbekannt. Die Schüler müssen mit Brausepulver Vorlieb nehmen und sollten sie ausserhalb der regulären Mahlzeiten ein Hüngerchen verspüren, müssen sie sich ihr Zubrot an der nahegelegenen Tankstelle besorgen. Die schlechte Ernährung führt unwiderruflich zu Pickeln, was unwiderruflich zu Angriffen "freundlicher" Mitschüler führt. Zum Glück gibt es im Örtchen Cappel, zu dem auch die Steinmühle gehört, jede Menge Dealer, die den deprimierten Schüler mit bewusstseins-verändernden Stoffen versorgen...
 
Ich könnte ein ganzes Buch über die Steinmühle schreiben, dabei will ich nur eines sagen: Vergesst es, wenn Ihr Euch nicht ruinieren wollt! Sorry, Steinmühle!
 
Ach ja: Die Schule (Unterricht, Lehrer) ist übrigens echt in Ordnung. Der Preis für diesen Pluspunkt ist aber - meiner Meinung nach - viel zu hoch. Nicht nur in finanziellem Sinne... 
 
Beispiel 3: Ausgewogen, Schwachpunkte werden nicht beschönigt  
 
 
Die Schule/das Internat für eine zweite Chance
 
Quelle:
 
Auszug:
 
"Die Schüler
Das Alter der Schüler variiert von 12 bis 24. Viele, die das Abitur woanders nicht geschafft haben, werden hier aufgenommen und bekommen so noch eine Chance. Allerdings gibt es auch diejenigen, die von ihren Eltern abgeschoben wurden. Was den sozialen Status betrifft gibt es große Unterschiede. Die einen leben vom Staat, die anderen bekommen jeden Monat 400 € Taschengeld. Trotz dieser Unterschiede ist das Miteinander jedoch recht harmonisch. Man kommt klar, weil man einfach klarkommen muss. Man kann sich seine Mitbewohner nicht aussuchen und wenn man teilweise mit 20 Leuten in einem Haus wohnt, muss man Rücksicht nehmen. Ich persönlich hatte mit niemandem Stress, habe mich aber vorwiegend an die Leute gehalten, die mit mir auf einer Wellenlänge waren. Mit den anderen wechselte ich mal ein freundliches Wort, aber das wars auch.

Das einzige, was etwas schwierig ist, ist die Tatsache, dass sich Grüppchen bilden. Die Schüler, die schon lange auf das Internat gehen, sind eine eingeschworene Gruppe, in die man nicht so leicht reinkommt. Deshalb freunden sich neue Schüler untereinander eher an, als neue mit alten Schülern.
Die jüngeren Mädchen, die ihre Eltern hin und wieder vermissen, können gewöhnlich auch mal zu den Größeren kommen und dort aufgemuntert werden.
Letztlich macht das alles also einen recht angenehmen Eindruck, allerdings ist das nur die Oberfläche. Unter dem Ganzen gibt es doch recht viel Gruppenzwang. Wenn man gewisse Saufspielchen an abgelegeneren Orten nicht mitmacht, ist man automatisch etwas außen vor und muss sich seinen Respekt erkämpfen. Wer ein geringes Selbstbewusstsein hat, hat dabei verloren. Wer sich jedoch durchsetzen kann, der wird in Ruhe gelassen.
 
Es ist überall so, dass immer irgendwer auf den Schwächeren rumhackt, doch auf dem Internat ist das für die betroffene Person schwieriger als sonst, da sie weitab von Zuhause gezwungen ist, klarzukommen. Für manche kann das schon sehr hart sein, aber zum Glück finden sich meist welche, die etwas rücksichtsvoller sind und probieren, den anderen zu helfen oder sie zu integrieren.

Ein weiteres Problem ist der Konsum von Drogen. Ungefähr 40 % der gesamten Anzahl von Internatsschülern hatten zu meinen Zeiten mit Drogen zu tun und es gab auch Vorfälle von psychischen Störungen. Das sind jedoch eher Ausnahmen, nichts desto trotz tragen sie zum Gesamtklima bei.
Wer denkt, sein Kind sei auf einem Internat vor negativen Einflüssen behütet, der irrt sich. Zwar probieren die Erzieher so was zu kontrollieren, allerdings findet man immer eine Lücke. Das ist nicht nur an diesem Internat so, sondern an vielen. Hanni und Nanni sind eben nur Fiktion und nicht das wahre Leben."
 
Die beiden zuletzt wiedergegebenen Internatskritiken wurden übrigens ebenfalls aus dem Internet-Forum gelöscht und durch harmlose Berichte einer Nicht-Internatsschülerin und eines Ehemaligen (Abitur vor über 25 Jahren!) ersetzt.

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