Je teurer desto besser?

Internate


PROVISIONSFREI = UNABHÄNGIG ?

Um nicht gänzlich in die Abhängigkeit von gewerbsmäßigen Vermittlungsagenturen zu geraten, haben nahezu alle Trägerverbände eigene Kontaktbüros eingerichtet, die gern damit werben, "provisionsfreie" Beratung zu bieten. Soweit damit suggeriert werden soll, dass Eltern hier unabhängige oder gar objektive Informationen erhalten, ist dies natürlich Augenwischerei. Die Beratungsstellen der Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime, des Verbandes Deutscher Privatschulen, der katholischen oder evangelischen Internate usw. werden von den Verbandsmitgliedern, also den angeschlossenen Internatsschulen und Schülerheimen, finanziert. Auch hier dürfte also der Satz gelten: "Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'!"

Ein Beispiel:
"Internate, konstatiert Pater Paulus Koci, Vorsitzender des Verbands Katholischer Internate und Tagesinternate (VKIT), "sind wieder positiv beleumundet. Es wird zunehmend anerkannt, dass sie etwas bieten, das es woanders nicht gibt."
Quelle: http://www.focus.de/schule/schule/schulwahl/internate/bessere-bildung_aid_24514.html


Hier handelt es sich um pure Schönfärberei, die mit der traurigen Internatswirklichkeit, insbesondere der kontinuierlichen Zunahme schwerster Problemfälle in den Internaten, nicht das geringste zu tun hat. So stellen die Bonner Psychologen Michael Ley und Herbert Fitzek aufgrund einer Befragung der Elternkundschaft katholischer Internate fest:
"Es ist eine ausgesprochene Notsituation, in der sich die Familien an die Internate wenden. Sie kommen nicht freiwillig oder weil sie ihren Kindern etwas Gutes tun wollen, sondern weil sie in einer erheblichen Klemme stecken, aus der sie durch eigene Kraft nicht mehr heraus können."
Quelle: Michael Ley, Herbert Fitzek: Alltag im Wunschformat. Über Internatserziehung im Blick der Eltern. Bonn 2003  


Skepsis ist auch angebracht, wenn in der Werbung von "Informationen aus erster Hand" gesprochen wird. Die Nähe der Berater zu den Trägerverbänden oder Einzelunternehmen, die eher Zweifel an der Objektivität der angebotenen Informationen wecken müsste, soll hier als Qualitäts- oder Alleinstellungsmerkmal verkauft werden. Es mag ja durchaus sein, dass die Personen, die in den Büros der Trägerverbände sitzen und Eltern "aus erster Hand" informieren, über intime Einblicke in die einzelnen Einrichtungen verfügen. Aber geben sie diese auch weiter, wenn es sich dabei um negative Informationen handelt? Skandale und Skandälchen gibt es in Internaten schließlich genug, wie diese kleine Notiz aus der Wochenschrift DIE ZEIT verrät:
"Wenn ich Kinder hätte, würde ich sie momentan nicht nach Salem schicken. Nicht etwa wegen Herrn Bueb, im Gegenteil. Seit er weg ist, geht es in der Leitung drunter und drüber, die Schule hat andauernd schlechte Presse."
Quelle: http://www.zeit.de/2006/40/Salem-40


Es wäre nicht uninteressant zu erfahren, ob die Berater der Verbände vom Besuch eines Mitgliedsinternats auch einmal abraten würden, wenn ihnen "aus erster Hand" Interna bekannt würden, die eine solche Reaktion im Interesse ratsuchender Eltern nahelegten.

Internatsberatungen diverser Verbände:

VDP
http://www.internate-vdp.de/_rubric/Internatsberatung.html


Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Schulbünde
http://www.evangelische-schulbuende.de/300_internate/301_internate.html

Katholische Internatsberatung
http://www.katholische-internate.de/html/internate.html

Vereinigung Deutscher Landerziehungsheime (LEH)  
http://www.internate.de/


 

 

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