Je teurer desto besser?

Internate


"Mundpropaganda"

d.h. Empfehlungen zufriedener Eltern und Schüler, war noch vor Jahren das wirksamste Mittel, den Nachwuchs für die Internatsschulen und Schülerheime zu gewinnen. Bei der Auswahl des richtigen Internats verließ man sich gern auf Referenzen von Gewährspersonen, überwiegend aus dem Verwandten-, Freundes- und Bekanntenkreis.
 
Es scheint so, dass es mit den Jahren immer schwieriger geworden ist, Menschen zu finden, die mit der Internatsunterbringung ihres Kindes gute Erfahrungen gemacht haben. An die Stelle von Empfehlungen überzeugter Internatseltern oder Internatsschüler, die sich mit "ihrem" Internat identifizieren, treten daher zunehmend kommerzielle Werbung, PR-Artikel in der Presse und die Dienste gewerbsmäßiger Vermittler.
Dies hat auch damit zu tun, dass die Verbundenheit von Eltern und Schülern mit der Internatsschule ihrer Wahl mehr und mehr einer verbreiteten Dienstleistungsmentalität zum Opfer fällt. Man erwartet viel von einem Internat, ohne selbst wirklich Anteil am Schul- und Internatsleben zu nehmen oder sich selbst intensiv mit der pädagogischen Konzeption des gewählten Instituts auseinander zu setzen. Von daher stellen Michael Ley und Herbert Fitzek in einer  Untersuchung über die Mentalität von Internatseltern fest:
 
"Die Eltern stellen zwar einerseits große Erwartungen an die Internate und sie sind auch schnell bereit, die Einlösung dieser Erwartungen genauestens zu überprüfen, aber gleichzeitig bleibt ihr Interesse am Alltag der Internate oder an einer konkreten Begegnung mit dem Internatsleben eher gering: In vielen Fällen können sie nicht einmal den Namen der Internate angeben, und vom Internatsleben ihrer Kinder wissen sie selten mehr zu berichten als das, was im Programmheft steht."
 
Selbst wenn Eltern ausgesprochen schlechte Erfahrungen mit Internaten gemacht haben, geben sie diese oft nicht an Dritte weiter - aus Scham, eine falsche Auswahlentscheidung getroffen zu haben, wie der unabhängige Berater Peter Giersiepen meint:
 
"Viele Eltern schämen sich nämlich, öffentlich oder im Bekanntenkreis ihre Unzufriedenheit über das von ihnen selbst gewählte Internat zu äußern, für das sie doch schon genug Geld ausgegeben haben."
 
Im Internet-Zeitalter ist es üblich geworden, sich in diversen Chats und Foren umzuhören. Auch dies ist eine Form der Mundpropaganda. Allerdings melden sich hier sehr häufig Teilnehmer zu Wort, die nur nachplappern, was sie irgendwo gehört oder gelesen haben, oder noch "aktive" Internatsschüler, die die eigene "Zugehörigkeit" verteidigen. Gerade letzteren sollte man mit großem Vorberhalt begegnen. Ein ehemaliger Internatsschüler urteilt:
 
"Was eine "Öffentlichkeit", gar eine "kritische Öffentlichkeit" betrifft, erfreuen sich Internate geradezu einem wilhelminischen Status. Kritik dringt per se nicht nach draußen. Das mag an der autoritären Struktur, aber vielleicht auch an dem "psychischen" inneren Corpsgeist auch der liberaleren Internate liegen. Wer als Schüler nur in den Verdacht geriete, das Internat nach außen schlecht gemacht zu haben, müsste zumindest damit rechnen, für den "Rest" seiner Zeit mit der Position des Außenseiters bezahlen zu müssen - und das nicht nur von acht bis ein Uhr wie in der Schule, nach der man dann in anderen sozialen Gruppen sich begeben kann, sondern Tag und Nacht, Jahr für Jahr, vom Aufwachen bis zum Schlafengehen. Zudem profitieren Internate in erheblichen Maß von der psychischen Lust an der Verdrängung, oder der Unlust, sich mit den schlimmen Erfahrungen auseinanderzusetzen, was dazu führt, dass man auch von ehemaligen, erwachsen gewordenen Schüler sowenig Kritisches über Internate erfährt. Gab es nicht auch schöne Momente, gab es nicht auch Freundschaften? Es fällt wohl schwer, sich einzugestehen, dass die schönen Momente und die Freundschaften, an die man sich gerne erinnert, sich nicht dem Internat selbst verdankten, sondern dem Internat abgetrotzt sind. Ein System, das hauptsächlich in einer infamen, weil unausweichlichen Mischung aus Repressionen und Überwachung der persönlichen Sphäre besteht, führt eben - wie ich selbst über die Jahre im Internat Schloss Buldern erleben durfte -, nicht zu Freundschaft, Loyalität und Solidarisierung ( und hier trifft sich der Hanni-und-Nanni-Leser mit dem "verklärenden" Gedächtnis des ehemaligen Schülers), sondern ganz im Gegenteil zu einem Klima des Jeder-gegen-Jeden, bis hin zu einer Hierarchisierung unter den Schülerngruppen, bei der jeder darum kämpfen muss, nicht in die unteren Ränge abzufallen. Freundschaften und schöne Momente sind Triumphe über ein System, das Freundschaft und Loyalität nicht vorsieht, und was diese so intensiv und wahrsten Sinn als "schön" und wertvoll erfahren lässt. Dass solche über das System triumphierende Momente über die Zeit der Verklärung dazu beitragen, das System selbst zu "verschönern", ist natürlich nichts weniger als tragisch zu nennen, weil es zum einen dazu führt, dass man von den eigenen Erfahrungen weggeführt wird, und zum anderen verhindert, dass diese Erfahrungen auch späteren Generationen auch zur Verfügung gestellt werden können."  
 
(Quelle: http://www.ciao.de/Buldern_Landschulheim_Schloss_Buldern__Test_2894220)
 
Mundpropaganda scheint nicht sehr hilfreich, insbesondere wenn es sich um Informationen aus zweiter Hand (vom Hörensagen) oder um von Rücksichtnahme, Chorpsgeist und anderen Mechanismen (Erinnerungsoptimismus) gefilterte Aussagen über Internate handelt. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Forum "Die besten Internate Deutschlands"), das hier auszugsweise wiedergegeben werden soll:
(Quelle: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/83011,0?sid=0728c53e3bb5bd6f9931c76b07435a79.html)
 
 
SunriseJen
Full Member
Verfasst am: 31 Aug 2006 - 16:57:09    Titel: Die Besten Internate Deutschlands...
 
Hallo zusammen,
ich würde gerne mal rein informativ halber von euch wissen, welche Internate als die besten in Deutschland gelten? Sind die sogenannten "Elite-Internate", wie das Schloss Neubeuern wirklich so gut wie ihr Ruf ist? Über zahlreiche Antworten würde ich mich freuen!
Viele Grüße*
cyrix42
 
Moderator
Verfasst am: 31 Aug 2006 - 17:04:24    Titel:

Wenn's unbedingt ein Internat sein muss, wo man viel Geld bezahlt: dann z.B. St. Afra. Aber es gibt auch genügend staatliche Schulen (mit angebundenem Internat, wo man als Internatler "im wesentlichen" (nach Einkommen der Eltern) nur die Verpflegung bezahlt [bei uns waren das, glaube ich 150 bis 300 ?/Monat])...
Viele Grüße, Cyrix
 
cyrix42
Moderator

solche "speziellen" Staatlichen Schulen findet man z.B. hier:
http://www.spezis.de/?page=sp/bs
Ich selbst war in Jena, und es war toll (nicht nur vom fachlichen, sondern auch vom persönlichen Umfeld her)
Viele Grüße, Cyrix


Mark123
Senior Member
Verfasst am: 31 Aug 2006 - 19:04:30    Titel:
 
 Ich votiere mal für Salem. Alleine was die dort für Gesprächspartner für den Unterricht liefern ist bombastisch. Da haben schon so einige Spitzenpolitker im Gemeinschaftskundeunterricht gesessen. Wenn ich es mir mal leisten kann und mein Kind in ein Internat will, wäre Salem meine erste Wahl.

Chad Smith
Junior Member
 
Auch wenn es hier schon vielfach geposted wurde, bin ich der Meinung, dass Salem momentan wirklich eine super Ausbildung (nicht nur im Bereich Wissen sondern auch Benehmen) bietet.
 
coffeinjunky
Moderator
Verfasst am: 02 Sep 2006 - 11:26:19    Titel:

Salem und Louisenlund sind meines Wissens nach die bekanntesten deutschen Internate.
 
Beste Grüße
coffeinjunky


Twain
Senior Member
Verfasst am: 02 Sep 2006 - 13:12:51    Titel:
 
 
Gut soll auch das Evangelische Seminar in Maulbronn sein... besonderer Pluspunkt: Das Seminar ist in dem alten Zisterzienserkloster...
Aber der Klassiker ist wohl Salem... und wirds wohl auch noch eine Weile bleiben.
 
 
florida166
Full Member
Verfasst am: 12 Sep 2006 - 16:59:08    Titel:
 
Das Instiut auf dem Rosenberg in St. Gallen, Schweiz soll ebenfalls eine TOP- Internat sein. Neben der schulischen Bildung legt man hier auch großen Wert auf die kulturelle Bildung.


Cathaa
Newbie
Verfasst am: 27 Mai 2007 - 13:44:24    Titel: Bestes Internat
Ich bin selber auf einem Internat und zwar auf Salem, und kann es nur jdm weiterempfehlen. Das Angebot das wir kriegen hat keine andere Schule. Letztes Jahr war der Bundespräsident und die Königin von Spanien u.a. bei uns zu Besuch. Dieses Jahr waren Herr Börsig, Herr Bueb, Leute von Mc Kansea und der Generalsekretär der FDP zu Besuch...In welcher anderen Schule bekommt man das???
Cathaa
Newbie
Verfasst am: 27 Mai 2007 - 13:47:02    Titel: Rosenberg
Ürigens Institut auf dem Rosenberg ist der größte Scheiss...Dort bekommt man alles, wenn man bezahtl...Ist es ja wohl keine gute Moral, dass Schüler sich am Wochenende, wenn sie gute Noten haben, einen Bentley mieten dürfen. Ich weiß nicht aber das geht zu weit....Das Motto dort lautet: Abi kaufen, weitersaufen...Nur die Kontakte die man dort knüpft sind sinnvoll fürs Leben...

Cetacea
Full Member
Verfasst am: 12 Jun 2007 - 19:51:27    Titel:
Auch wenns ein bisschen spät ist... aber ich glaube dieses "Motto" haben wohl fast alle Internate...Wenn ich höre, was für Drogen z.B. in Salem rumgehen (nach einer Bekannten) und was dort wohl für "Penner" (sorry an die, die drauf gehen) draufgehen, die viel Geld haben, aber mehr auch nicht...
Ich habe noch nie etwas positives über Salem gehört und das wäre ganz sicher die letzte Schule wo ich mein kind hinschicken würde.
Ich besuche zur zeit auch ein internat und glaubt mir, das war die schlechteste entscheidung die ich getroffen habe! Es ist einfach nur sauteuer und die meisten die hier draufgehen, haben kaum etwas drauf. Viele hier hatten nach der 4. ne Empfehlung für die Haupt[schule], aber weil die Eltern viel Geld haben können sie sich jetzt ganz stolz Gymnasiast nennen. Ihr ABI kriegen sie ja sowieso, egal wie die Noten sind...
Sorry an alle Internatler, aber das ist mein Eindruck den ich von Internaten und Privatschulen bekommen habe... und ich bin froh zu wissen, dass ich meine Kinder niemals auf eine Privatschule schicken werde!
 
 
sven.r
Newbie
Verfasst am: 12 Jun 2007 - 23:18:36    Titel:
Also ich habe vor paar Wochen den Direkter des Internates Schloss Salem bei Sabine Christiansen gesehen, dort hat er von Alkohol und Drogentests an seiner Schule erzählt und das ein postiver Test ein Schulverweiss zur Folge hat. Ich halte daher einen regen Drogen Konsum für sehr unwarscheinlich.
Ich denke auch das man an einigen Internaten durch aus eine sehr gute Schulbildung erfahren kann, im Gegensatz zu vielen staatlichen Schulen!
Dass es dort viele "Bonzen" gibt und Leute, die ihr ABI normal nicht schaffen würden, brauche ich glaube ich nicht zu bestreiten.

Mit freundlichen Grüßen
sven
 
Sojobo
Full Member
Verfasst am: 13 Jun 2007 - 07:34:58    Titel:
Wer sich die Beiträge von Cathaa durchliest, kommt schnell zu dem Schluss, dass man auch in diesem "Eliteinternat" nur mit Wasser kocht, wie überall.
Und da frage ich mich, wie man sich was drauf einbilden kann, dass irgendwelche Politiker die Schule - nicht als Schüler, sondern kürzlich als Gäste - besucht haben.
Wie man sich was drauf einbilden kann, dass die Eltern genug Geld haben, einen auf eine "elitäre" Schule zu schicken.
Die monatlichen Kosten übersteigen das gesamte Monatseinkommen ganzer Bevölkerungsgruppen. So viel Geld, nur, um sich elitär und folglich wichtig vorkommen zu dürfen? Dabei sieht man doch, dass dieses System, genau wie das der Waldorfschulen, nichts besseres hervorbringt, als das staatliche. Im Gegenteil; man wird in eine geschlossene Welt isoliert und der eigentlichen Gesellschaft entfremdet.
Aber macht nur!
Achja, bei uns war zwar kein Bundespräsident und keine Königin zu besuch, dafür eine in Auschwitz internierte Jüdin und ein Vertrauter des Martin Luther King. Keine Berühmtheiten, aber Personen, von denen man lernen kann.

exilberliner
Newbie
Verfasst am: 13 Jun 2007 - 12:30:03    Titel:
 
ich würde um deutsche internate generell einen ganz großen Bogen schlagen. hatte mich selbst damals umgeguckt, und kenne inzwischen auch einige.Insbesondere Salem und Lund, welche ja einen einigermaßenen Ruf genießen, sind akademisch nicht zu vergleichen mit Schulen wie Malvern College, Oakham, Sevenoaks etc in England.
Also mein Tip, lieber ein wenig mehr investieren, wenn man denn an ein Internat will und einen ordentlichen internationalen Abschluss machen.
Benehmen bekommt man in Salem nicht gelehrt.... lieber deutsche staatliche als internat in deutschland... akademisch kaum ein unterschied, nur finanziell
 
 
Jonasss
Newbie
Verfasst am: 19 Jun 2007 - 12:33:49    Titel: Internate
 
Guten Tag!
Ich besuche ebenfalls Salem. Eine Sache die mich stört ist, dass sich viele Menschen nur über Gerüchte und Erzählungen von Bekannten, die dieses oder andere Internate besucht haben oder besuchen, oder das Fernsehen, eine Meinung bilden und sich dann mit völlig falschen Informationen in Diskussionen einbringen.
Ich habe mir die Kommentare hier angesehen und muss sagen, dass erstaunlich viele Vorurteile zum Vorschein kommen, aber mir ist es nicht neu. Denn ich habe schon so viele lächerliche Vorurteile zu hören bekommen.
Wenn sich jemand zu Internaten äußern möchte, dann sollte er mindestens selber eines besucht haben, oder sollten dort die eigenen Kinder untergebracht sein.

Letztlich möchte ich hinzufügen, dass ich stolz darauf bin Salem besuchen zu dürfen. Es kommt einfach darauf an, was man selber aus der Schulzeit macht. Die Möglichkeiten die Salem bietet findet man jedenfalls auf keiner anderen Schule in Deutschland.
Viele Grüße
 
 
Sojobo
Full Member
Verfasst am: 19 Jun 2007 - 13:12:07    Titel: Re: Internate
Jonasss hat folgendes geschrieben:
 
 "Wenn sich jemand zu Internaten äußern möchte, dann sollte er mindestens selber eines besucht haben, oder sollten dort die eigenen Kinder untergebracht sein."
 
 Und hier liegt ja das größte Problem; das Geld. Ich lese nur sowas wie "Kann nur jedem empfehlen, ein Internat zu besuchen", als wäre das eine absolute Selbstverständlichkeit für jeden. Da keiner von Euch auch nur auf den Gedanken gekommen ist, dass es sich nicht viele Eltern leisten können, ein Internat zu bezahlen, sehe ich mich in meinem Urteil (ohne "Vor" davor) bestätigt: Isolation von der Gesellschaft und daraus resultierender Mangel an Realitätsbezug. Trifft sicherlich nicht auf jeden zu, aber die bisherigen Postings von Salemschülern, die die Vorurteile entkräften wollten, haben sie nur bekräftigt.
 
 
 schafche
Junior Member
Verfasst am: 19 Jun 2007 - 13:56:14    Titel:
 Internat ist nicht immer eine Frage von leisten können: wie auch cyrix42 möchte ich auf die Möglichkeit staatlicher Internate (zur Begabungsförderung, z.B. Sport, Musik, Mathe-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) hinweisen... teuer sind diese garantiert nicht, außerdem wird das (zumindest teilweise) dem Einkommen der Eltern angepasst - zudem ist die Beantragung von Schüler-BafÖG möglich. Finanziell ist hier also wirklich keine Schranke - man muss halt "nur" die Aufnahmeprüfung schaffen.
 
 
 Die Frage, ob Mundpropaganda eine zuverlässige Hilfe bei der Auswahl des richtigen Internats sein kann, ist damit wohl überwiegend negativ zu beantworten. Wer sein Kind einem bestimmten Institut anvertraut hat oder selbst Internatsschüler war oder ist, wird hierdurch offenbar weder zum allgemeinen Internatsexperten noch zu einer objektiven Informationsquelle.
Ganz besondere Skepsis ist gegenüber den oft geradezu begeisterten Reminiszenzen ehemaliger InternatsschülerInnen angebracht. Die Verhältnisse in Internaten ändern sich oft sehr schnell. Damit können Erinnerungen, die erst ein bis zwei Jahre zurückliegen, bereits vollkommen überholt sein. Bei Erfahrungsberichten, die älteren Datums sind, kann der sogenannte "Erinnerungsoptimismus" das Bild zusätzlich stark verfälschen, denn negative Erinnerungen werden oft verdrängt. Übrig bleibt nur ein rührselig verklärtes Bild, das weder mit der damaligen noch der aktuellen Realität eines Internats übereinstimmt.


 


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