Je teurer desto besser?

Internate


"Fast immer versprechen Internate mehr, als sie halten können!"

Diese Feststellung des unabhängigen Internatsberaters und ehemaligen Internatsleiters Peter Giersiepen, entnommen der Berliner Zeitung vom 9. Mai 2009, sollte Eltern dazu veranlassen, sich mit den Werbeversprechen der Hochglanzprospekte und denjenigen gewerbsmäßiger Internatsvermittler sehr kritisch auseinanderzusetzen.

Doch leider ist gerade die typische Internatskundschaft ein dankbares Opfer für unseriöse Internatswerbung. Der Grund liegt in einer in sich widersprüchlichen und von vornherein unrealistischen Erwartungshaltung gegenüber den pädagogischen Wirkungen eines Internatsaufenthalts, der schon an Wundergläubigkeit grenzt. Dies haben die Bonner Kulturpsychologen Herbert Fitzek und Michael Ley in einer Untersuchung mit dem Titel "Alltag im Wunschformat - Über Internatserziehung im Blick der Eltern" (Bonn 2005) überzeugend nachgewiesen. Gleichzeitig, so die Bonner Wissenschaftler, mache die Neigung der sog. Internatseltern zur Idealisierung diese blind für die Wahrnehmung der  Internatswirklichkeit. So seien sie zwar schnell bereit, die Einlösung ihrer überhöhten Erwartungen genauestens zu überpüfen, doch bleibe ihr Interesse an einer konkreten Begegnung mit dem Internatsalltag sehr gering. Damit sind der Legendenbildung Tür und Tor geöffnet. Verstärkt wird diese Tendenz nach Auffassung des Düsseldorfer Er- ziehungswissenschaftlers Prof. Heiner Barz durch eine „desaströse Forschungslage“ im Bereich der Angebote und Wirkungen von Internatserziehung.

Nun wäre es naheliegend, dass die Internate selbst ein vitales Interesse daran
haben müssten, die ins Märchenhafte übersteigerten Ansprüche ihrer Kundschaft zu dämpfen. Denn übertriebene Erwartungen führen zwangsläufig zu Enttäuschungen. Aber weit gefehlt: Die Internatswerbung, so kritisieren Herbert Fitzek und Michael Ley, wirke den falschen Vorstellungen der Kundschaft nicht etwa entgegen, sondern übernehme diese sogar relativ ungebrochen. Die Abbildung des Internatsalltags in Werbeprospekten drehe sich fast ausschließlich um Hochbegabungen und Extremleistungen, während sowohl die Schwierigkeiten in den Familien als auch die daraus resultierenden Probleme des Internatslebens nahezu vollständig weggeblendet würden. Die Werbebilder zeigten „idyllische Urlaubslandschaften hinter den sieben Bergen“, die „gleichsam außerhalb von Zeit und Raum“ existierten. Sinnbild des Internats und verbreitetes Motiv der Internatswerbung sei das „Märchenschloss“, dessen aufstrebende Türme und Zinnen einerseits in den Himmel ragende Entwicklungen der Internatsschüler symbolisierten, gleichzeitig aber auch ein Wegschließen der Zöglinge und das Fernhalten des Bösen hinter hohen Mauern verhießen, wodurch die Internate sich letztlich der Möglichkeiten zu echten Entwicklungen ihrer Eleven beraubten.
 
 
Zu einer äußerst nüchternen Betrachtungsweise bei der Entscheidung für einen Internatsaufenthalt rät denn auch Ulrich Lange, Geschäftsführer der einzigen unabhängigen und gemeinnützigen Internatsberatungsstelle in Deutschland. Die meisten Internatskonzepte stammten noch aus der Zeit des pädagogischen Idealismus und seien der Problemlage heutiger Internats-schülerinnen und –schüler nicht mehr angemessen. Bei kritischer Betrachtung zeigten sich sogar systembedingte Nachteile herkömmlicher Internats-pädagogik, durch die mehr Probleme geschaffen als gelöst würden. Daher bietet die Internatsberatung der AVIB gemn.e.V. eine intensive Beratung auf erziehungswissenschaftlicher Grundlage an, mittels derer ratsuchende Eltern herausfinden können, ob der Wechsel ins Internat für ihr Kind überhaupt sinnvoll ist und wie pädagogische Problemlösungen im Einzelfall aussehen müssen, um Aussicht auf nachhaltigen Erfolg zu bieten.

 


 

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